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Denkmalsverhüllung in der Hildapromenade

Read 114473 times Zuletzt geändert am Montag, 08 Februar 2016 22:04
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Seit 1964 steht in Karlsruhe beim Haydnplatz in der Hildapromenade ein Denkmal für die 35. Infanteriedivision. Nur in wenigen Städten Westdeutschlands konnten „alte Kameraden“ der Wehrmacht ein Denkmal im öffentlichen Raum aufstellen.  Dieses Denkmal stellt die in Terror und Leid mündende Soldatentradition „Treue, Kameradschaft, Tapferkeit und vaterländische Gesinnung“ (so die Worte bei der Einweihung) als Opfergang dar.

Das Denkmal stilisiert Täter zu Opfern. So wird deutsche Geschichte umgedeutet. Es rührt aus einem Zeitgeist der frühen Bundesrepublik, der deutsche Kriegsverbrechen und den Anteil der Wehrmacht beschwieg, sie als „sauber“ gegen „Hitler und die SS“ heroisierte. Tatsächlich war auch die 35. Division, seit 1936 in Karlsruhe aufgestellt, an schweren Kriegsverbrechen in der Sowjetunion beteiligt. Ein Artikel zum Thema findet sich auch in den KA-News. Die Partei "Die Linke" fordert die Beseitigung des Denkmals, siehe Artikel in der Pforzheimer Rundschau.

Im November 2014 führte das Kulturamt der Stadt ein Symposium zum 35er Denkmal durch, das zum Ergebnis hatte, dass dieses nicht länger unwidersprochen stehen bleiben kann, nachzulesen in der BNN.

Um der Forderung nach Behebung dieses Mißstandes Nachdruck zu verleihen wurde am 8. Mai 2015, 70 Jahre nach Kriegsende, der Klotz des Anstoßes in einer gemeinsamen Aktion der Deutscher Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, dem Friedensbündnis Karlsruhe, dem Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. und der Initiative für ein Friedensdenkmal in Karlsruhe verhüllt. In einer Zeremonie an der sich 75 Personen beteiligten wurden das steingraue Denkmal mit schwarzem Stoff verhüllt und Steine beschriftet mit den Namen der Orte an denen die 35. Division der Wehrmacht gemordet hat wurden ausgelegt.

Mit dieser Aktion wurde die Stadt Karlsruhe aufgefordert, eine Kommentierung z.B. in Form einer zusätzliche Tafel anzubringen über die Verbrechen der 35. Division, sowie zu den Umständen der Denkmalaufstellung. Es sprachen Jürgen Schuhladen-Krämer (Historiker), Ulrich Beer-Bercher (Initiative für ein Friedensdenkmal in Karlsruhe). Die Aktion moderierte Sonnhild Thiel. Musikalisch begleiteten die Veranstaltung Reiner Möhringer und Peter Schuler sowie das Saxophonquartett von Reiner Möhringer.

Ein Artikel mit weiteren Informationen erschien am 9.Mai 2015 in der BNN.

(Fotos von Bernd Hentschel)

Bereits in der nachfolgenden Nacht wurde das Arragement aus verhülltem Denkmal und Hinweistafel zerstört, siehe Artikel in der BNN vom 12.5.2015. Die Karlsruher Polizei wertet dies als den Tatbestand der "Entfernung eines Kunstwerks" und ermittelt gegen unbekannt.

Die Hinweistafel (s.u.) wurde erneut aufgestellt und ca. 200 AnwohnerInnen wurden über einen offenen Brief (s.u.) über die Vorkommnisse informiert.

Erfreulich, am 26.1.2016 kommt nun die Stadt Karlsruhe der Forderung nach einer offiziellen Kommentierung des Täterdenkmals nach mit einer kommentierenden Stele driekt neben dem "Ehrenmal" für die 35. Infanterie-Division. Damit werden sowohl die Verbrechen dieser Division als auch die Geschichte des Ehrenmals dargestellt. Der Text der Tafel endet mit dem bemerkenswerten Satz: "Die Stadt Karlsruhe lehnt das darin zum Ausdruck kommende Leugnen der Verantwortung ebenso ab wie den militaristischen Geist."

Mit dem Konzept kommentierender Stelen mit blauen Hinweistafeln und Bronzetafeln an Gebäuden rückt die Stadt Karlsruhe seit 2010 bestehende Denkmäler in ein neues Licht. Die Stelen sind alle einheitlich gestaltet aus rotem Sandstein mit den Maßen 2,10 Meter (Höhe), 40 Zentimeter (Breite) und 17 Zentimeter (Tiefe) mit jeweils zwei Glastafeln als Infor­­ma­ti­­ons­trä­ger (95 x 40 Zenti­­me­ter).

Ein Artikel mit Hintergrundsinformationen erschien am 28.1.2016 in der BNN und auch im Kurier vom 29.1.2016 gab es einen kurzen Artikel zu lesen.

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