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Das Karlsruher Deserteursdenkmal

Read 1872 times Zuletzt geändert am Samstag, 22 August 2015 09:34
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Im Gewerbehof in der Steinstr. 23 steht ein Denkmal zu Ehren von Deserteuren. Es besteht aus einer Betonplatte auf einem gemauertem Sockel, auf die ein Soldatenhelm platziert wurde. In der Platte kann man die Abdrücke von zwei Militärstiefeln und das Relief eines zerbrochenen Gewehres erkennen. Der Helm dient als Blumentopf.

Eine Texttafel auf der Vorderseite des Sockels trägt die Inschrift

 

 

"hier lebte ein mann,

der sich geweigert hat,

auf seine mitmenschen zu schießen.

ehre seinem andenken.

kurt tucholski, für die deserteure".

 

Vorgeschichte

Anfang der 80er Jahre hatte die DFG-VK Gruppe Karlsruhe für eine demonstrative öffentliche Kriegsdienstverweigerungs-Aktion eine lebensgroße Gipsfigur hergestellt. Sie zeigte einen „unbekannten Deserteur“, der über seinem Knie ein Gewehr zerbrach. Diese für die Standfestigkeit der Figur nicht optimale Haltung zusammen mit dem nicht wirklich optimalen Baumaterial sorgte für permanenten Reparaturbedarf. Der "Unbekannte Deserteur" wurde mehrmals bei verschiedenen Aktionen eingesetzt, verstreute dabei seinen Gips und landete irgendwann auf dem Sperrmüll. Der Gedanke, Deserteure und Kriegsdienstverweigerer stärker in den Focus der Aufmerksamkeit zu rücken, lebte jedoch weiter.



Eine Gruppe von 25 aktiven Bundeswehrreservisten, die den Kriegsdienst verweigern wollten oder bereits verweigert hatten, griffen diese Idee auf, vermutlich angeregt durch die Karlsruher M. Marienhagen, A. Solleder oder H. Block. Die Reservistengruppe hatte sich explizit vom NATO-Doppelbeschluss und der Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen in Deutschland distanziert. Sie bezeichneten sich selbst als »die bekannten Deserteure« von morgen und suchten im Rahmen der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Deserteuren gleichzeitig nach Bezügen zu den Deserteuren der Wehrmacht.



Am 26. April 1986 wurde dann in Bremen das Mahnmal »Dem unbekannten Deserteur« auf dem Ansgarikirchhof eingeweiht. Durch Vermittlung des Bremer Senators für Bildung, Wissenschaft und Kunst wurde mit dem Gustav-Heinemann-Bürgerhaus bald ein neuer Standort gefunden; hier ist das Mahnmal noch heute zu sehen. In vielen anderen Städten wurden vergleichbare Denkmäler errichtet. Ein Überblick findet sich hier. Sehr informativ ist auch die Webseite der Bundesvereinigung Opfer der NS - Militärjustiz e.V.

Zurück nach Karlsruhe

kam die Denkmalsidee Ende der 80er Jahre mit Ludwig Baumann, einem  Wehrmachtsdeserteur der sich bundesweit für die Rehabilitation der Wehrmachtsdeserteure engagierte und auf Einladung der DFG-VK mehrfach auf Veranstaltungen in Karlsruhe sprach. 1990 wurde dann  von M. Marienhagen, A. Solleder, E. Müller, A. Ortlinghaus und anderen ein neues Denkmal konzipiert und vandalensicher in Beton gegossen.


Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde das Denkmal mit einer feierlichen „Enthüllung“ am 5. Mai 1990 auf dem Marktplatz.

Die Stadt Karlsruhe weigerte sich allerdings dem Denkmal ein städtisches Grundstück zuzuweisen. Seinen entgültigen Standort fand es daher im Gewerbehof, wo es allerdings als „Boden-Denkmal“ wenig Beachtung fand.

Anläßlich des Antikriegstags am 17. November 2005 wurde das Denkmal restauriert und auf einen gemauerten Sockel gestellt.

Unter Mitwirkung von Ludwig Baumann, mittlerweile Vorsitzender der »Bundesvereinigung der Opfer der NS-Militärjustiz« wurde es in seiner bis heute erhaltenen Form eingeweiht.

 (Fotos: G. Vangermain, M.Marienhagen, L. Abraham, E. Müller, B. Hentschel und O.Rettig)

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